Ein Kommentar von Susanne Bergius

Er schart Milliardäre um sich. Darunter einige, die die wenigen Regulierungen rückgängig machen wollen, die eine neuerliche Finanzkrise des Ausmaßes von 2008/9 verhindern sollen. Milliardäre ohne jegliche Bodenhaftung. Wie er selbst, der neue US-Präsident Donald Trump. Ein Stöhnen geistert durch die Welt, auch bei Entscheidungsträgern mit Bodenhaftung, in den USA ebenso wie in anderen Ländern. Bang die Frage: „Wie ist er zur Vernunft zu bringen?“

Eine Antwort gibt die UN-Initiative „Prinzipien für Verantwortliches Investieren“ (PRI): Beherzt ruft sie ihre Unterzeichner auf, Trump die Relevanz nachhaltiger Investments beizubringen. Als Investoren mit addiert 62.000 Milliarden Dollar verwalteten Vermögen könnten sie in einer Sprache mit ihm reden, die er verstehen werde – die Sprache der Finanzwelt. Geschickt versucht die PRI-Organisation das Entsetzen bei verantwortlichen und nachhaltigen Investoren über die US-Wahl in aktives Handeln ummünzen.

Susanne Bergius ist seit 2004 unabhängige Journalistin und Moderatorin für Nachhaltiges Wirtschaften und Investieren in Berlin. Sie schreibt für das Handelsblatt, Fachmedien sowie Buchpublikationen. (Quelle: Photohuber/Berlin)

Klimarisiken klarmachen

Dem Leugner des Klimawandels könnten sie dessen Risiken klar machen und die Chancen – am Beispiel grüner Infrastruktur und energieeffizienter Gebäude: „Ein kluger Weg für den neu gewählten Präsidenten wäre, sein Mandat damit zu beginnen, in nachhaltige Infrastrukturen zu investieren, die Jobs schaffen und neueste Technologien und Innovationen nutzen, die ‚klimageprüft’ sind, aber nicht die Umwelt belasten.“ Indem sie wirtschaftliche Realitäten und Erfordernisse von Investoren erkenne, könne die Trump-Administration zur Nachhaltigkeitsagenda aufschließen.

Die PRI sagen, sich für ein nachhaltiges Finanzsystem einzusetzen, wovon Umwelt und Gesellschaft profitierten. Die Arbeit verknüpfe sich mit den globalen Nachhaltigkeitszielen: Ein gesundes Finanzsystem könne etwa helfen, die Einkommensungleichheit zu verringern – das erste Ziel der 17 Sustainable Development Goals. Jetzt bedarf es couragierter Investoren und Anlegergruppen, die sich einmischen. Nicht nur bei Konzernlenkern, sondern auch bei der Politik.

Investoren, mischt euch ein!

Jetzt können Investoren unter Beweis stellen, dass sie wirklich ein nachhaltiges Finanzsystem wollen. Ruht Euch bloß nicht auf dem tröstenden Hinweis der PRI aus, dass Kalifornien und anderer Bundesstaaten strenge Klimapolitiken haben, die unabhängig seien von der künftigen Politik im Weißen Haus. PRI-Mitglieder halten gut ein Fünftel des weltweiten Kapitalmarkts in Händen – es wäre eine Schande, würden sie diese Macht nicht in die Waagschale werfen.

Dieser Kommentar erschien erstmals am 9.12.2016 im monatlichen „Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments“. Zur vollständigen Ausgabe gelangen Sie hier: http://www.handelsblatt.com/downloads/14954094/1/hb-business-briefing-investments_12_16.pdf

Beiträge mit ähnlichen Themen