Von Torsten Schäfer

Am vergangenen Dienstag war ich in Eichstätt zu Gast, um auf Einladung von Prof. Dr. Friederike Hermann (meiner Vorgängerin in Darmstadt auf der Professur „Textproduktion“) Studierende mit dem Themenkreis Mobilität vertraut zu machen – in praktischer Hinsicht. Denn sie berichten in diesem Sommersemester für das Campusportal Einstein crossmedial über alternative und kritische Zugänge auf Mobilität. Genau dazu haben wir unser Einführungsdossier auf Grüner-Journalismus verfasst, weshalb ich auch damit arbeitete. Zuerst ging es um den Versuch, das Thema aufzudröseln, wobei ich diese Tabelle von Peter Seeger und Lena Kasper verwendete. Dann streute ich mögliche Themenideen ein: mit dem ältesten und jüngsten Busfahrer Eichstätts sprechen und dann eine längere Fahrt machen, die Mobilität zu Wasser aus der Perspektive der Kanuten auf der Altmühl darstellen, schlichtweg die Barrierefreiheit der Stadt prüfen oder einen Barfußgänger suchen. Hier weitere Themenansätze aus meinen Folien:

  • Radexperten einladen, durch die Stadt fahren oder Selbstversuch Radfahren, eigene Stadt, E-Bikes, E-Auto…
  • Raumplaner oder Architekt: Rundgang mit Leitfrage: Wie fußgängerfreundlich ist meine Stadt? Rollstuhl, Rentner…
  • Vorbilder, Vergleiche: Kopenhagen, Münster, Amsterdam
  • Patchwork-Erzählung: verschiedene Verkehrsteilnehmer porträtieren in einer Stadt (Serie, Scrollytelling, Themenseite)
  • Szenario, Vision: Wie sieht Mobilität in unserer Stadt 2030 aus? Selbst schreiben, Experten schreiben, auch: Pro + Contra
  • Audio: Geräusche einer Stadt => Bezug zu Lärm
  • Datenjournalismus: Verkehrstote, Staubtote, Aufkommen…

Viele erste Ideen der Studierenden

Es kommt, so betonte Friederike Herrmann, auf die Vielfalt einzelner, kritischer Zugänge an – aber auch auf die Zusammenstellung im Hinblick auf ein übergeordnetes erzählerisches Konzept. In der Debatte brachten die Studierenden viele Themenideen ein, von denen sie gehört hatten und die noch ausrecherchiert werden müssten, bevor der Zuschlag erfolgt: recycelbare Raketen, eine Fahrt in selbstfahrenden Autos, Studierende, die Flüchtlinge im Kofferraum nach Deutschland bringen, die immer detaillierter werdenden Flugpläne, die offensichtlich teils zu halbvollen Maschinen führen – die Bandbreite der ersten Einfälle war groß. Umfassend habe ich Grüner-Journalismus als Rechercheinstrument vorgestellt. Mindestens so spannend zu erfahren war für mich, wie die KollegInnen Praxisprojekte planen und umsetzen.

Kooperationsraum Bayern

Ungewollt ergibt sich für Grüner-Journalismus nach und nach eine regionale Kooperation mit der bayerischen Journalistenausbildung. Denn nach diesem Besuch in Eichstätt gibt es auf verschiedenen Ebenen (siehe Podcast von Ismeni Walter, Text von Julia Donhauser) Kontakt zur Journalistik in Ansbach. Und in Austausch sind wir auch immer wieder mit Prof. Dr. Béatrice Dernbach, die in Nürnberg Technik-Journalismus lehrt und offizieller Kooperationspartner ist. Ihre Studierenden produzieren in diesem Semester erneut Texte zu umwelttechnischen Themen, die im Nachwuchsfenster auf Grüner-Journalismus laufen werden.

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