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Von Felix Austen

So langsam kommt Bewegung in die deutsche Medienszene: Immer mehr etablierte Zeitungen bemühen sich, Nachhaltigkeitsaspekte in ihrer Arbeit mitzudenken, bringen grüne Sonderbeilagen heraus, oder gründen Ableger, die sich dem Thema annehmen. Aber auch neue Blogs, Formate und Magazine kommen hinzu (Wiwo Green, Positive Daily, Klimaretter). Und doch: Während Deutschland bei vielen grünen Themen – man denke an Erneuerbare Energien oder Atomausstieg – als Pionier gilt, trotten wir im grünen Medienzirkus der internationalen Konkurrenz hinterher.

Deshalb stellt Grüner Journalismus an dieser Stelle sechs tolle englischsprachige Medien-Projekte vor, von denen sich deutsche Medienmacher etwas abschauen können – egal ob es um Formate, Design, Storytelling oder, last but not least, die konstruktive Grundhaltung geht. Und wer auf der Suche nach Themen ist, wird sicher auch fündig.

  • Ensia: „Ensia is a magazine showcasing environmental solutions in action. Our mission is to share stories and spark conversations that motivate, empower and inspire people to create a more sustainable future.“ So beschreibt sich das Onlinemagazine, das auch mehrmals jährlich themengebundene Printausgaben veröffentlicht, selbst. Die Stichworte „solutions“, „motivate“ und „sustainable“ zeigen die Richtung an, die Ensia vorgibt: Lösungsorientierer, konstruktiver Journalismus. Angereichert mit vielen wissenschaftlich fundierten Beiträgen, Zeichnungen, Karten und Diagrammen ist Ensia immer schön bunt und ansprechend gestaltet, ohne es an Seriosität mangeln zu lassen. Das macht Spaß und lehrt damit die wichtigste Lektion, die wir von amerikanischen Medien lernen können: Be positive!
  • Grist: Etwas schlichter, vornehmer und weniger farbenfroh im Design, wird doch spätestens bei der Auswahl der Ressorts klar, dass die Macher von Grist den Zeigeist spüren: „Climate & Energy“, „Food“, „Cities“, „Living“, „Politics“, „Business & Tech“ und „Science“ heißen die Kategorien – und zwar in dieser Reihenfolge. Und besser als viele Worte beschreibt dieses Video die Idee hinter Grist:
  • Vox: Ähnlich wie Grist und Ensia, aber etwas Politik-orientierteres Magazin.
  • Matter: Nachdem der Twitter-Gründer Ev Williams sein 140-Zeichen-Medium gegründet und zu einer der wichtigsten Online-Institutionen und Revolutionsbeschleuniger geformt hatte, war ihm doch wieder nach etwas längeren Texten zumute. Deshalb übernahm er mit seiner Blog-Plattform Medium das Magazin Matter, das lange, tolle Geschichten über Technologie, Wissenschaft, Umwelt und eigentlich alles Interessante in dieser Welt erzählt. Dabei kann jeder zum Autoren werden. Die Top-Stories zeichnen sich nicht selten durch wunderschöne Comics, Bebilderungen und Layouts aus, wie etwa diese Geschichte über Öl und den Klimawandel. Weitere sehenswerte Matter-Geschwister aus Ev Williams‘ Medium-Kosmos: Der politische Comicblog The Nib, der Fotografieblog Vantage und der Technikblog Backchannel.
  • De Correspondent: Das holländische Magazin De Correspondent hat per Crowdfunding über eine Millionen Euro gesammelt und damit ganz offensichtlich eine gigantische Nische im europäischen Medienmarkt aufgezeigt: Konstruktiver Journalismus mit Qualität statt Quantität. Denn anders als bei den meisten Medien werden nicht mehrere Geschichten pro Tag veröffentlicht, aus denen die Leser wählen müssen. Stattdessen beliefert der Correspondent die Abonnenten einmal täglich mit einer Geschichte, die nicht hyperaktuell, dafür aber fundiert und relevant ist. Über 30.000 zahlende Abonnenten lesen die Geschichten und finanzieren das völlig werbefreie Medium. Hier gibt es ein paar Geschichten, die ins Englische übersetzt wurden. Das Start-Up-Unternehmen Positive Daily startet in Deutschland übrigens bald mit einem ähnlichen Konzept.
  • Positive News: Britisches Crowdfundingprojekt das viermal jährlich eine Zeitung druckt und an Abonnenten regelmäßig News per Mail verschickt. Der Fokus liegt auf einer lösungsorientierten Berichterstattung.

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