Flächennutzung in Deutschland (Screenshot: infogr.am)

Flächennutzung in Deutschland (Screenshot: infogr.am)

Von Vanessa Tron

Auf der ganzen Welt sind aktuell etwa 1,37 Millionen Tierarten beschrieben. Die meisten dieser Arten – nämlich knapp eine Million – sind der Klasse der Insekten zuzuordnen. In Deutschland leben etwa 48.000 nachgewiesenen Tierarten. Das sind etwa 3,5 Prozent der weltweit beschriebenen Tierarten.

Eine neue, für die Welt bis dahin unbekannte Säugetierart wurde in Deutschland zuletzt 1962 mit der Bayerischen Kleinwühlmaus beschrieben. Zufolge der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) gelten weltweit 9.618 Tierarten als gefährdet. Das sind 0,7 Prozent aller bislang beschriebenen Arten, von denen allerdings nur etwa 3 Prozent der Arten nach den neuesten Kriterien der IUCN bewertet wurden.

Weltweit sind derzeit etwa  340.000 Pflanzenarten beschrieben, der größte Teil davon sind Farn- und Blütenpflanzen. In Deutschland wird der Gesamtbestand auf über 10.300 verschiedene Pflanzenarten geschätzt. Damit liegt Deutschland im Weltmaßstab im durchschnittlichen Bereich.

Flächennutzung in Deutschland

Wie sieht es eigentlich mit der Flächennutzung in Deutschland aus? Ist das Land mit Straßen und Städten zugepflastert? Im Gegenteil: Mehr als die Hälfte, genauer 53,3 Prozent, wird landwirtschaftlich genutzt.  Damit liegt Deutschland über dem europäischen Durchschnitt von 41 Prozent. Die landwirtschaftliche Nutzung ist die bedeutendste Form der Bodennutzung in Deutschland. Ein weiteres Drittel der deutschen Landesfläche ist mit Wald bedeckt. Damit bleiben für Verkehrs- oder Gebäudefläche weniger als ein Drittel.

Der Wald

Wälder sind – in Bezug auf Biodiversität und Klima – das bedeutendste Landökosystem. Die aktuelle Waldfläche der gesamten Erde beträgt vier Milliarden Hektar und nimmt fast 30 Prozent der Festlandfläche ein. Zwischen 1990 und 2010 sind drei Prozent der Waldfläche der Erde verschwunden.

Das entspricht etwa der dreifachen Größe Deutschlands. In Deutschland nimmt die Waldfläche dagegen kontinuierlich zu. Laut der zweiten Bundeswaldinventur von 2004 sind 11,1 Millionen Hektar der Landesfläche mit Wald bedeckt. Das entspricht einem Anteil von 31 Prozent oder 0,13 Hektar pro Bundesbürger.

Ein Wäldchen für jeden: Etwa sieben Milliarden Bäume wachsen in Deutschlands Wäldern. Das sind rund 85 Bäume für jeden Bundesbürger. Vielfalt im Wald: Insgesamt schätzt man, dass 7.000 bis 14.000 Tier- und bis zu 14.000 Pflanzen- und mehr als 3.000 Pilzarten in naturnahen mitteleuropäischen Wäldern heimisch sind.

Übrigens: Seit Mitte der Achtzigerjahre wird an der gentechnischen Veränderung von Bäumen gearbeitet. Die Zielsetzungen sind sehr unterschiedlich, von schnellerem Wachstum bis hin zur Resistenz gegenüber Insektenbefall. Man spricht dabei von transgenen Bäumen.  

Schutzgebiete in Deutschland

In Deutschland gibt es verschiedene Schutzgebietskategorien, die im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) festgelegt sind. Sie unterscheiden sich in ihrer Größe, ihrem Schutzzweck sowie ihrer Schutzziele und den daraus abzuleitenden Nutzungseinschränkungen. Die wichtigsten Schutzgebietskategorien sind: Naturschutzgebiete, Nationalparke, Biosphärenreservate, Landschaftsschutzgebiete und Naturparke. Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke werden aufgrund ihrer Größe auch als Großschutzgebiete bezeichnet. Für diese wurde im November 2005 übrigens die Dachmarke Nationale Naturlandschaften gegründet.

Hotspots der biologischen Vielfalt

2012 wurden vom Bundesumweltministerium (BMU) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) 30 Hotspots der biologischen Vielfalt festgelegt, die im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert werden. Das sind Regionen in Deutschland mit einer besonders hohen Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräume. Die Hotspots nehmen zusammen etwa elf Prozent der Fläche Deutschlands ein und finden sich von der Nord- und Ostseeküste bis zu den Alpen in nahezu allen Teilen des Landes. Das mit jährlich 15 Millionen Euro ausgestattete Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt Projekte zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.

Hotspot Name
1 Allgäuer Alpen
2 Ammergebirge, Niederwerdenfelser Land und Obere Isar
3 Alpenvorland zwischen Mangfall und Inn
4 Ammer-Loisach-Hügelland und Lech-Vorberge
5 Oberschwäbisches Hügelland und Adelegg
6 Hochschwarzwald mit Alb-Wutach-Gebiet
7 Schwäbische Alb
8 Hinterer Bayerischer Wald
9 Nördliche Frankenalb
10 Nördliche Oberrheinebene mit Hardtplatten
11 Donnersberg, Pfälzerwald und Haardtrand
12 Mittelrheintal mit den Seitentälern Nahe und Mosel
13 Saar-Ruwer-Hunsrück, Hoch- und Idarwald und Oberes Nahebergland
14 Kalk- und Vulkaneifel
15 Rhön
16 Thüringer Wald und nördliche Vorländer
17 Werratal mit Hohem Meißner und Kaufunger Wald
18 Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite
19 Harz
20 Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaften
21 Senne mit angrenzendem Teutoburger Wald
22 Südliches Emsland und nördliche Westfälische Bucht
23 Hunte-Leda-Moorniederung, Delmenhorster Geest und Hümmling
24 Untere Wümmeniederung mit Teufelsmoor und
25 Mecklenburgisch-Brandenburgisches Kleinseenland
26 Schorfheide mit Neuenhagener Oderinsel
27 Schleswig-Holsteinische Ostseeküste, Angeln, Schwansen, Dänischer Wohld
28 Westmecklenburgische Ostseeküste und Lübecker Becken
29 Vorpommersche Boddenlandschaft und Rostocker Heide
30 Usedom und Ostvorpommersche Küste

Die Natur in der Gesellschaft

Das Bundesamt für Naturschutz hat bereits dreimal, zuletzt Ende 2013, eine bundesweite Befragung zum Naturbewusstsein in Deutschland durchgeführt. Die Deutschen verbinden mit dem Begriff der Natur überwiegend Positives. Rund 95 Prozent der Befragten assoziieren damit gutes Leben, Vielfalt, Gesundheit und Erholung. Für 92 Prozent der Befragten gehört Natur zu einem guten Leben. Ebenfalls 92 Prozent schätzen ihre Vielfalt. Nur 8 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sagen, dass die Natur ihnen fremd sei, 22 Prozent haben kein Interesse an Natur. Der Begriff der biologischen Vielfalt wird in der Bevölkerung nur teilweise ganzheitlich verstanden. Nur 44 Prozent der Befragten haben ihn schon einmal gehört und wissen, was er bedeutet. Hauptsächlich wird Biodiversität mit Artenvielfalt gleichgesetzt. Der Aspekt der genetischen Vielfalt etwa ist dagegen kaum bekannt.

Angst vor dem bösen Wolf?

Wolf, Luchs und Co. – einige heimische Tierarten verbreiten sich seit kurzem wieder vermehrt in Deutschland. Initiativen zur Wiedereinführung heimischer Tierarten werden zwar generell akzeptiert, jedoch von der breiten Bevölkerung nicht für jede Tierart gleichermaßen unterstützt. So gibt es gegenüber Wolf und Waschbär stärkere Vorbehalte als gegenüber Biber, Luchs und Wildkatze. Die geringste Sympathie wird dem Wolf entgegengebracht, was vermutlich mit einem negativ besetzten Image in den Köpfen der Deutschen zusammenhängt.

Urlaub in der Natur

Nationalparke, Naturparke und Biosphärenreservate  sind wichtige Faktoren für den Urlaub der Deutschen: 50 Prozent der Deutschen geben an, dass die Nationalen Naturlandschaften für sie eine sehr große oder große Rolle bei der Auswahl ihrer Urlaubsziele spielen, und 85 Prozent halten Regionen mit viel geschützter Natur für Urlauber attraktiv.

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