Von Torsten Schäfer

Mit diesen Zeilen startet ein länger geplantes, alchemistisches Vorhaben. Aus vorhandenem Material soll Neues entstehen, aus gesponnenen Fäden ein anderer Strang werden. Die Blogs, Verse, Bilder und Aphorismen fangen ganz Verschiedenes ein: Fremde Zitate, eigene Reiseeindrücke, Gedanken über Journalismus und gesellschaftliche Reformen sowie Beispiele für alternative Erzählformen oder gelungene Geschichten über wilde Natur, lodernde Landschaften und den weiten Norden, meine Reiseregion.

Ich arbeite mit bekannten und suche gleichzeitig nach neuen Wortgefäßen – also solchen Formen, die zwischen Journalismus und Literatur changieren, dabei auch in anderen Sphären Anleihen aufnehmen und letztlich immer wieder zurückkehren zu größeren Frage, wie sich der relevanteste Seinskontext, unser Erdzusammenhang, anders und wirksamer beschreiben lässt. Es gibt dafür guten Umweltjournalismus, feine Reiseschreibereien und große multimediale Erzählungen, also gutes Storytelling, zu dem ich an der Hochschule Darmstadt forsche. Und es gibt das wunderbare, für den Journalismus bisher kaum angedachte angloamerikanische nature writing, das ich in dieser Kolumne gleichzeitig testen und dabei als Genre zwischen Literatur und Journalismus im praktischen Sinne erkunden will.  Von alldem soll hier die Rede sein – mit analytischer Distanz und experimenteller Praxis. Ich werde sammeln und selbst Versuche wagen. Denn es ist Zeit, neues Schreiben auszuprobieren.

Und es ist Zeit, einen anderen Umgang mit Zeit zu testen und dabei Mußeräume zu suchen, auch versteckte und ungewöhnliche. Wenn ich die Pforten dorthin gefunden habe, werde ich es feiern. Denn im Alltag unerwartet Orte zu finden, in denen sich die Zeit verformt, das gehört zu den besten Reiseerlebnissen. Es ist weites Reisen auf kurzer Strecke. Manchmal ist es unsagbar. Oft ist es auch flüchtig und brüchig und vergeht zu schnell. Doch wenn ich es aufschreibe, bleibt es – zwar auf eine andere Art, aber eben doch. Ich kann es erhalten.

Grenzen spielen bei dieser ganzen Suche weniger eine Rolle. Es geht vielmehr um Grenzabbau und Öffnung. Und um die Vorstellungen von unterschiedlichen Zukünften, denn weithin herrscht gesellschaftspolitische Visionslosigkeit; auch in meinem Metier der Lehre und Forschung. Vielleicht sind es aber gerade wir Dozenten, die sich stärker zu Wort melden müssen – mit begründeten Utopien und wichtigen Erinnerungen an die universellen Werte, die in unsere Taten eingeflochten sind. Zu ihnen zähle ich auch die Nachhaltige Entwicklung. Sie ist die Matrix für alles, die Szenerie im Hintergrund, vor der hier aber das Schreiben über Lebendiges, über wilde Orte und feine Worte, stehen soll.

Zwischen Himmel und Herde – diesen Titel habe ich gewählt, weil ich oft zwischen Himmel und Herde stand, wenn ich draußen war. Meistens waren es Rehherden, die wir beobachteten, bevor wir hinterher rannten und dabei immer verloren. Ich empfinde diese Tiere noch immer als magisch, auch wenn sie uns so gewöhnlich erscheinen. Und doch macht das Reh viele unbekannte Kapriolen und verliert – ganz im Gegensatz zu anderen Arten – auch nicht in Gefangenschaft seine Scheu. Deshalb ist das Reh auch kaum in Wildgehegen oder Zoos zu sehen; Capreolus Capreolus ist nicht umsonst sein lateinischer Name.

Orte der Streifzüge

Dreiflussland (Rhein, Main und Neckar)

Die meisten Texte erscheinen ab Mitte 2017 gleichzeitig als Kolumne auf der Seite des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald

Norden

Fernwelten

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