Gösta Gantner, Doktorand der Philosophie, zu Besuch am Dieburger Campus. (Bild: Leni Hohm)

Gantner ist Doktorand der Philosophie an der Goethe Universität in Frankfurt und ist
als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Universität in Heidelberg tätig. Außerdem ist
er einer der drei Kuratoren des „Datterich Festivals“ in Darmstadt und schrieb Artikel
für die Datterich-Kolumne in Darmstadts P-Magazin.

Seinen Vortrag begann Gantner mit einer allgemeinen Erläuterung des Wortes
„Begriff“ und dessen Bedeutung, das Wesen von Etwas zu sein. Ein Kugelschreiber
sei nur das Wort, denn im Detail gesehen ginge es hierbei nicht um eine schreibende
Kugel. Letzteres ist nur das Wort, das Wesen sei das Schreibgerät. So sollen wir uns
von Begriffen nicht täuschen lassen.

Eine Brücke zur Digitalisierung schlug Gantner, indem er die verschiedenen
Begriffstypen definierte: zum einen klare und zum anderen bedeutungsvariable
Begriffe. Was ein Quadrat sei, dürfe für jeden ziemlich „klar“ sein. Schon schwieriger
wäre es, eine klare Definition für die Digitalisierung zu finden. Digitalisierung sei ein
Prozessbegriff – denn dort, wo Prozesse laufen, ist etwas in Veränderung. Gantner
zitierte die Bundesregierung:

„Der digitale Wandel verändert unsere Art zu leben, zu
arbeiten und zu lernen fundamental und mit rasanter Geschwindigkeit.
Wir […] wollen diesen Wandel gestalten und unser Land
auf die Zukunft bestmöglich vorbereiten.“

 

Digitaler Kapitalismus wird häufig im Kontext der technologischen Revolution
verwendet, ähnlich wie es die Bundesregierung beschrieben hatte. Diesbezüglich
beschrieb Gantner den „Solutionismus“ als wichtigstes Element. Dieser vertritt die
Vorstellung, „dass es für alle sozialen Probleme eine technologische Lösung, dass
es für jeden sozialen Nagel einen technologischen Hammer gibt.“ 1 Wohlstand und
Wirtschaftswachstum sollen künftig die Möglichkeiten, Technologien und Mittel
haben, um alle sozialen Probleme lösen zu können. Auch der Klimawandel soll durch
technologische Lösungen aufgehalten werden – nicht durch einen menschlichen
Bewusstseinswandel.

Solutionismus auf der einen Seite – Postkapitalismus auf der anderen. Gantner
verwies hier auf ein sozial-ökologisches Möglichkeitsdenken: Eine Gesellschaftsform,
wie sie sich die „Degrowth Bewegung“ wünscht, die statt immer mehr eine
Wachstumsrücknahme fordert, die starken Kurs auf Gleichheit und Gemeinsamkeit
hält, die eine Demokratisierung der Wirtschaft verlangt und die an jeden von uns
appelliert, ein besseres Verständnis und Verhältnis im Umgang mit der Natur zu
haben.

1 Nachtwey/Seidl: Die Ethik der Solution und der Geist des digitalen Kapitalismus: 2017

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