Redakteurin Stella Lorenz zu Gast am Campus Dieburg (Bild: Nele Höfler)

The Story of our times

Nachhaltigkeit ist schon lange kein Nischenthema mehr, das zeigt sich in den verschiedensten Lebensbereichen. Supermärkte steigen auf Papiertüten um, große Modeketten bieten Kleidung aus Recycling-Material an und jeden Freitag demonstrieren deutschlandweit Schüler und Studierende für schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen. Währenddessen diskutieren Politiker über die Umsetzung des Klimaschutzgesetzes und auch die Wirtschaft reagiert auf die Entwicklungen: Immer mehr nachhaltig hergestellte Produkte erobern der Markt.

Auch auf den Journalismus hat das neue gesellschaftliche Nachhaltigkeitsbewusstsein Auswirkungen. Das Angebot grüner Medien ist so präsent wie nie zuvor und wächst stetig weiter. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren sind eine Reihe sehr erfolgreicher Neugründungen entstanden. Zu den bekanntesten darunter gehören „hygge“, „slow“ oder auch „enorm“.

„Medien gelten als ein guter Indikator für Trends“, erklärt Stella Lorenz. Wenn ein Thema die Gesellschaft bewegt, dauert es nie lange, bis dazu ein passendes Magazin erscheint (Beispielsweise das Thermomix Magazin). Mit der Nachhaltigkeit ist es etwas anderes: „Sie spielt sich auf zahlreichen Ebenen ab: Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Haushalt, Ernährung und viele mehr. Das Thema ist nicht nur langlebig, sondern wird von Tag zu Tag aktueller und relevanter. Nachhaltigkeit ist somit kein Trend, sondern ein Thema, das uns alle betrifft und mit dem wir uns früher oder später zwingend auseinandersetzen müssen.“

Die Magazine spiegeln das Denken einer neuen Generation wider. „Eine Generation, die sich bewusst in die Entschleunigung begibt, die bewusst handeln will und Wert darauf legt, auch mal abzuschalten. Magazine, die genau diesen Lifestyle präsentieren, wecken eine Sehnsucht beim Leser, die für die Meisten noch immer fernab von der Realität liegt“, meint Stella Lorenz. Magazine bieten der Generation also genau das, was sie suchen. Einen Rückzugort, für den sie sich bewusst entscheiden und für den sie sich auch bewusst Zeit nimmt. Ein Publikationsabstand, der langwierige Recherchen zulässt. Fernab vom News Tickern, die im Sekundentakt Meldungen veröffentlichen und einem so das Gefühl vermitteln, niemals auf dem neusten Stand zu sein. Und zu guter Letzt viel Platz, der es ermöglicht Inhalte erzählerisch an den Leser zu vermitteln: Platz für grünes Erzählen.

Die große Herausforderung bei der Vermittlung von Nachhaltigkeit liege darin, ein wissenschaftliches Thema allgemein verständlich aufzubereiten, ohne dabei in Halbwissen und Floskeln zu verfallen. Denn obwohl die Texte erzählerisch und einfach zu verstehen sein sollten, müssen sie trotzdem hinterfragen, kritisch sein und in die Tiefe gehen. Nur so lasse sich die Herausforderung lösen, Nachhaltigkeit und Bewusstsein informativ und spannend für eine größere Zielgruppe darzustellen. Das bejaht auch der Austausch im Anschluss auf den Vortrag. Wichtig sei es außerdem, Inhalte konstruktiv und nicht mit erhobenem Zeigefinger zu vermitteln. Auch eine positive Grundhaltung sei entscheidend; schließlich sollten die Inhalte motivierend und nicht entmutigend sein.

„Fakt ist, nachhaltigkeitsbewusstes Handeln beruht auf einer Handlungskette: Informiert werden – Wissen – Verstehen – Umsetzen. Zu dieser Handlungskette können grüne Medien beitragen“, so Stella Lorenz. Schwierig gestaltet es sich, damit die breite Gesellschaft zu erreichen. Schließlich kauft nur derjenige ein Magazin mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit, der sich sowieso schon mit diesem Thema beschäftigt. Die große Masse kann grüner Journalismus nur dann erreichen, wenn Nachhaltigkeit und bewusstes Leben weiterhin ihren Platz in den traditionellen Medien wie Tageszeitung und Nachrichtensendungen finden.

 

 

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