Expertenschau – wen können Journalisten im Themenfeld „Fischerei“ fragen?

Von Torsten Schäfer

Politik

Wichtige Ansprechpartner aus der Politik sind neben EU-Kommissarin Maria Damanaki ihr Berater für die EU-Reform, Franz Lamplmaier, sowie die SPD-Abgeordnete Ulrike Rodust, die Berichterstatterin im Parlament für die neue Grundverordnung der Fischerei war und dafür Lob von allen Seiten erhielt. Maßgeblich beteiligt an den Kompromissen war auch die Schwedin Isabella Lövin (Grüne).

Zu den bekannten Fischereipolitikern im Parlament, die eher altbewährte Ansätze befürworten und der Fischereiindustrie nahe stehen, zählen der Franzose Alain Cadec und Carmen Fraga aus Spanien. In Deutschland sind die küstennahen EU- sowie Bundestagsabgeordneten weitere Quellen. Auch die Fischereiminister der EU-Staaten sowie die nationalen EU-Abgeordneten des Parlamentsausschusses sollten im Blick sein.

Seelachs an Bord: Fische bewegen Politik, Wirtschaft und Verbraucher. Wer sind die wichtigsten Experten? (Quelle: Torsten Schäfer)
Seelachs an Bord: Fische bewegen Politik, Wirtschaft und Verbraucher. Wer sind die wichtigsten Experten? (Quelle: Torsten Schäfer)

Forschung

Dr.  Rainer Froese (IFM Geomar) zählt zu den weltweit bedeutenden Fischereiforschern; in der europäischen Fachwelt gilt er als kritischer Kopf, was er auch selbst betont. Er hat vielfach in namhaften Zeitschriften publiziert, äußert sich immer wieder in Medien zu politischen Themen, forscht  zu Verbraucherfragen (etwa MSC-Siegel) und ist Mitbegründer der renommierten Datenbank fishbase.org. Ähnlich oft medial präsent wie Froese ist Prof. Dr. Christopher Zimmermann, Leiter des Instituts für Ostseefischerei am bundeseigenen Thünen-Institut. Er wird oft interviewt zu Fragen der Fischereiforschung und -politik und ist in der Lage, komplexe Dinge kurz und verständlich zusammenzufassen. Zimmermann nimmt stellenweise nicht ganz so kritische Positionen wie Froese ein, verdammt aber einzelne Punkte der EU-Fischereipolitik sehr klar. Auch er ist international anerkannt und publiziert.

Sein Vorgänger Prof. Dr. Cornelius Hammer ist nun zum Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) nach Dänemark gewechselt, dessen deutsches beratendes Mitglied (Advisory Committee ) Zimmermann ist. Hammer war Vizepräsident des ICES, das der EU Fischereiquoten empfiehlt und das zuständige Fachgremium für den Nordatlantik ist. Wichtige Fischereiforscher aus Übersee sind z.B die Kanadier Boris Worm (Dalhousie University) und Daniel Pauly (University of Britsih Columbia) sowie der Engländer Callum Roberts (University of York). Alle verteten eine dezidiert wissenschaftliche aber auch kritische Perspektive hinsichtlich der globalen Überfischung.  Spannend sind noch die ökonomischen Studien des britischen Think Tanks “New Economis” zur Fischerei; diese Perspektive ist sonst seltener zu finden, gerade mit konkreten Entwürfen, die in die Zukunft reichen.

Industrie und NGO

Ein wichtiger Lobbyist ist Matthias Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels, der das Fischinformationszentrum in Hamburg leitet und sowohl in Berlin wie auch in Brüssel auftritt, um die Interessen des Fischhandels zu verteten. Eine wichtige Quelle aus der Fischerei selbst ist Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes. Die gesamten Verbände der Fischereiwirtschaft fasst das Fischerei-Portal zusammen. Einer der wichtigsten europäischen Industrie-Vertreter ist der Spanier Javier Garat, Präsident von Europêche.

Aus der NGO-Perspektive sind Iris Menn (Greenpeace) und Heike Vesper oft zu lesende und auch aktuell ansprechbare Expertinnen. Beide sind Meeresbiologinnen und haben auch eine allgemeine Kompetenz für marine Themen. Menn forschte früher am Alfred-Wegener-Institut und lancierte für Greenpeace internationale Meereskampagnen. Vesper entwickelte 2000 den WWF-Fischratgeber und baute das MSC in Deutschland mit auf.

Der kleineren Organisation Deepwave steht ein medial ebenfalls präsenter Fischereiexperte vor: Onno Groß ist Meeresbiologe und arbeitete als Journalist, u.a. als Redakeur für National Geographic. Sein Kollege Markus Knigge arbeitet für die Pew Environment Group und war Sprecher der eigens für die EU-Fischereifreform gegründeten NGO Ocean 2012, weshalb er starkes Gehör bei Journalisten fand. Er ist seit Jahren im Geschäft, u.a. auch als Berater für den Thinktank Ecologic.

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