Vietnam-Blog: Lehren und Essen in Sapa – der erste Arbeitstag

Das Essen steht ganz vorne, auch jetzt hier in meinem Text. Denn jeden Tag kommen im Gästehaus Speisen auf den Tisch, die weder wir noch die Übersetzer aus Hanoi kennen. Gemüsesorten aus den Bergen, Flussfische, Pferd, fremde Kräuter, eben hervorragende Bambussprossen und eingelegte Pilze. Oder gestern die Eingeweiden-Suppe im Restaurant. Dann heute Morgen der erste faut-pas.

Weil wir nicht Bescheid gesagt hatten, dem  gemeinsamen Nudelsuppen-Frühstück in der Stadt fernzubleiben, hat uns die die Dozentengruppe zwei große Sandwichs mitgebracht. Sie waren ernsthaft besorgt, dass wir ohne Essen in den Tag starten würden – es war ein größeres Thema.

Die Gruppe besteht aus 24 Dozentinnen, die meisten sind Frauen, zwischen 25 und Mitte 40, die an der nationalen Medienakademie Journalismus, PR oder andere Fächer lehren, die angehende Journalisten haben. Alle nutzen Facebook, nur eine Handvoll Twitter. Einige haben eine speziellen Fokus auf Radio, Fernsehen oder Zeitung, die meisten nicht. Ganz wenige dieser ersten Gruppe – denn nächste Woche kommen fortgeschrittene Klimakenner – haben bereits Erfahrungen mit Umweltthemen in der Lehre gemacht – es wird spannend, auch, da sie sehr direkt Rückmeldungen geben und kritisch sind.

Ein lebendiger Haufen, der mit uns gestern ersteinmal Aufwärmspiele gemacht hat, nicht umgedreht: Ständig gickelnd und wild durcheinander redend erklärten sie mir, dass ich das Material sei, und eine Dozentin die Künstlerin. Ich wurde dann etwas verbogen und musste so verharren. Ergebnis: Fotos, Lachanfälle, Applaus. Gestern Abend Karaoke, aber da war ich noch zu müde.

Staatsgründer und Idol Ho Chi Minh ist übrigens überall präsent, auch in unserem Lehrsaal, hinter uns schaut er auf das, was wir so machen. Gewöhungsbedürfttig, aber so langsam bin ich zu sehr im Stoff drin, um immer an ihn hinter mir zu denken.

Share on:

Related Posts

Auf historischen Pfaden: Eine Wanderung durch den Spessart 

Meine Erwartungen sind groß, als ich mich aufmache, um den Kurfürstenweg abzuwandern. Durch verwachsene Graspfade, an denen hohe Sträucher meine Nase kitzeln, führt mein Weg zum ersten Halt der Route: der Grabstätte von Cancrin. Ungefähr einen Kilometer vom Startpunkt entfernt beschreibt eine Infotafel, was ich vor mir sehe. Eine regionale Erfolgsgeschichte, eine Familie, die sich durch die Bergarbeit „den gesellschaftlichen Aufstieg erarbeitete“. Ihnen gehörte das Gut, von dem aus ich meine Reise begann. Die Grabstätte an sich ist eine halbkreisförmige Mauer, die etwas erhöht und mit einer zugewachsenen Steintreppe versehen am Ende einer Lichtung steht.

weiterlesen

Wer wacht am Rhein?

Die Sonne hängt bereits tief über der Landschaft, als ich die Treppen des Niederwalddenkmals erklimme. Obwohl sich gerade die letzten Sonnenstrahlen des Tages in den Baumkronen verfangen, haftet die Hitze der vergangenen Stunden noch an den steinernen Oberflächen. Fast alle der dreizehn im Halbkreis angeordneten Bänke sind besetzt. Nur die Bank ganz vorne in der Mitte, die mit der besten Aussicht, ist frei.

weiterlesen
Zum Inhalt springen