Von Julis Carevic

Der Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft, die Sommersonne erwärmt unsere Haut in diesen Morgenstunden bereits mit einer großer Intensität. Vor wenigen Minuten sind wir auf dem Hofgut Oberfeld in Darmstadt angekommen und drängen uns um den Bestelltresen, um uns für den heutigen Ausflug mit reichlich Kaffee zu stärken. Damit auch alle zwölf Teilnehmer unseres Kurses Platz finden, schieben wir zwei Tische zusammen und beginnen mit einer kurzen Besprechung dessen, was uns gleich erwarten wird: eine kleine Wanderung durch das Oberfeld mit zwei Schreibübungen – Nature Writing mitten in Darmstadt.

Zuvor lassen wir den Tag aber gemütlich beginnen und entspannen uns im Halbschatten. Einzig und allein der stolze Hahn des Hofguts lässt uns nervös werden, sobald er uns beäugt und langsam auf uns zuschreitet. In der Vergangenheit soll er sich vor allem durch seine aufdringliche und nicht immer freundliche Art einen Namen gemacht haben. Bevor er ein weiteres Mal um uns herum schleicht, machen wir uns also lieber auf den Weg.

Wir drängen uns in den wenigen Schatten, den die Bäume jetzt noch spenden

Bis zu unserem ersten Stopp sind wir zwar nur wenige Meter weit gekommen, dafür stehen wir nun am Kuhstall und geben beim Anblick der vier Kälber abwechselnd entzückte „Ahhhs“ und „Ohhhs“ von uns. Einige Minuten später treten wir den Weg erneut an, jetzt geht es aber auch wirklich los. In einer geschlossenen Gruppe spazieren wir vorbei an diesem großen Feld, das in sattem Grün leuchtet und damit wunderbar zum strahlend blauen Himmel passt.

Im Laufe des Tages werden die Temperaturen auf 30° klettern – wir haben Glück, denn den Hinweg bestreiten wir noch im Schatten der Bäume, die sich am Wegrand schützend aufreihen. Als wir den Eingang des Waldes erreicht haben, folgen die Anweisungen für unsere erste Schreibübung: In einer halben Stunde sollen wir einen Baum, einen einzelnen Ast oder gar den Ausschnitt einer Rinde so genau wie möglich beschreiben und unser Auge für Details schulen. Für Manche wird die größte Herausforderung die Sachlichkeit sein, anderen wiederum wird vor allem die Zeit zu kurz erscheinen, gibt es an so einem Baum doch unendlich viele Einzelheiten zu sehen.

Wir strömen in alle Richtungen aus und verweilen an unterschiedlichen Orten. Zwischen Bäumen, Sträuchern und getrocknetem Laub machen uns vor allem die vielen Mücken zu schaffen, aber auch die sind ja irgendwie Teil des Nature Writings. In einer kleinen Runde lesen schließlich drei Freiwillige ihre Texte vor und es wird deutlich, wie unterschiedlich wir Dinge wahrnehmen und diese verarbeiten. Vor der nächsten Attacke der aufdringlichen Mücken treten wir den dritten Teil unseres Ausflugs an und verlassen den schützenden Schatten der Bäume.

Ein Ort der Ruhe

Mit voller Wucht strahlt uns die Sonne jetzt entgegen. Dabei scheinen die Farben der Wiesen, Blumen und Bäume noch intensiver zu leuchten. Hier im Oberfeld herrscht eine Idylle, die nicht einmal der Baukran, der in weiter Ferne zu sehen ist, stören kann. Es ist ein Ort der Ruhe. Und so langsam können wir verstehen, weshalb es hier so viele Menschen hinzieht. Einzelne Jogger laufen an uns vorbei, der ein oder andere Hundebesitzer grüßt mit einem Kopfnicken, und Radfahrer klingeln von Weitem, bevor sie uns überholen. An der nächsten Kreuzung versammeln wir uns erneut, drängen uns in den wenigen Schatten, den uns die Baumkronen noch lassen.

Unsere zweite Übung steht an, wieder geht es um genaues Beobachten und Beschreiben. Doch dieses Mal stehen die Farben mit all ihrer Wirkung und unterschiedlichen Nuancen im Vordergrund. Während wir da so sitzen, ist es ganz still. Nur das leichte Kratzen der Stifte ist zu hören. Konzentriert schreiben wir über unsere Eindrücke, von denen es endlos viele zu geben scheint. Die Zeit ist zu kurz, um alles auf Papier zu bringen und vermutlich könnten wir hier einen ganzen Tag verbringen, würden nicht die anderen Verpflichtungen rufen.

Langsam treten wir den Rückweg an, vorbei an den weiten Wiesen und vereinzelten Bäumen. Der Schotterboden ist trocken, und unsere Schritte wirbeln kleine Staubwolken auf, die über dem Boden zu schweben scheinen. Als wir wieder am Hofgut Oberfeld ankommen, trennen sich unsere Wege, doch die Einflüsse des Ausflugs werden uns noch bis zum Abend begleiten.

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