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Das große Jucken

Raupen des Eichen-Prozessionsspinners

Wie der Name schon verrät, treten die Raupen hauptsächlich an Eichen auf, gelegentlich aber auch an anderen Baumarten wie der Hainbuche. Der Eichen-Prozessionsspinner (Thaumatopea processionea) ist in ganz Mitteleuropa beheimatet und mag es warm und trocken. Die männlichen Falter erreichen eine Flügelspannweite von 2,5 bis 3,2 Zentimetern, die Weibchen werden etwas größer, drei bis 3,6 Zentimeter.

Die Paarung findet von Juli bis Anfang September statt. Das Weibchen des Falters legt dabei 30 bis 300 Eier in den Oberkronen der Eichen ab. Im Frühling des nächsten Jahres schlüpfen die Raupen und durchlaufen dann bis hin zu ihrer Verpuppung sechs Larvenstadien. Schädlich für uns werden die Raupen allerdings erst ab ihrem dritten Larvenstadium, in dem sie ihre giftigen Härchen entwickeln. Die sind es auch, die bei Hautkontakt oder durch die Aufnahme der Atemwege zu allergischen Reaktionen führen.

Bronchitis und Asthma möglich

Die Haare der Raupen enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, das bei Menschen eine sogenannte Raupendermatitis auslösen kann. Es kommt zu stark juckender Haut und Pusteln an den betroffenen Stellen. Außerdem kann es nach der Aufnahme über die Atemwege zu Reaktionen wie Bronchitis und Asthmabeschwerden kommen. Die angesprochene Raupendermatitis kann sich in insgesamt drei klinischen Erscheinungsbildern zeigen. Die Kontakt-Urtikaria (Nesselsucht), die Hautentzündung (toxische irritative Dermatitis) und anhaltende Papeln, die Insektenstichen ähneln. Die meisten Reaktionen klingen nach höchstens sieben Tage von alleine wieder ab.

Raupendermatitis

Die Brennhaare der Raupen sind kaum zu sehen und wiegen quasi nichts, daher brechen sie leicht vom Körper der Raupe ab und gelangen über den Wind in die Luft auf unsere Haut und in die Atemwege. Eine weitere Gefahr bergen auch die Nester der Raupen. Denn nachdem sich die Raupen häuten, bleiben die alten Larvenhäute in den Nestern. Dadurch, dass die Haare sehr lange haltbar sind, bleiben die Härchen für lange Zeit eine Gefahr.

Als Vorsichtsmaßnahmen wird von Grünflächenämtern empfohlen, grundsätzlich die befallenen Gegenden zu meiden und die Raupen und Nester nicht zu berühren. Außerdem sollte mab nach einem Kontakt Kleider wechseln und duschen sowie danach die Kleidung waschen, denn in ihr können die Härchen hängenbleiben.

Industriestaubsauger entfernen die Nester

Die Schädlinge ernähren sich von ihrem Wirtsbaum. Sie fressen das ganze Blatt und verzichten dabei nur auf die Hauptader des Blattes. Da die Eichen die Fähigkeit besitzen, sich nach einem Befall schnell zu regenerieren, ist der Schaden bei einmaligem Befall gering.

Die gängigste Bekämpfung eines befallenen Areals ist die mechanische Beseitigung der Nester mit Industriestaubsaugern. Die Haare werden dabei vollständig weggesaugt und in der Müllverbrennung entsorgt. Die Behandlung mit Insektiziden ist problematischer. Denn da müssen vorher der Erfolg der Behandlung und die ökologischen Auswirkungen genau abgewogen werden: Ist das Insektizid schädlich für andere Insekten auf den betroffenen Bäumen? Oder ist es vielleicht sogar ungesund für uns Menschen und andere Säugetiere?

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