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Die Energiebeschlüsse der Bundesregierung – und was sich journalistisch daraus machen lässt

Die Bundesregierung hat grundlegende Beschlüsse zur Energiepolitik getroffen, die sofort von Opposition, Umweltverbänden und anderen heftig kritisiert werden. Auch ich sehe den Rückzug von der geplanten Stilllegung alter Kohlemeiler als Fehler an. Aber welche Ansätze kommen nach der ersten Wertung im Hintergrund journalistisch hoch. Wo würde ich jetzt gerne weiter recherchieren?

# Zitate-Liste: Wirtschaftsminister Gabriel hat zu seinen geplanten und nun kassierten Abschaltungen schon ganz verschiedene Aussagen gemacht. Die ließen sich, vielleicht grafisch nett begleitet, als Zusatzelement gut auflisten.

# Europäischer Energiemarkt: Warum muss es zu solchen Entscheidungen kommen, wenn es auch anders ginge – theoretisch zumindest. Der Weltenergierat hat gerade ausrechen lassen, wie die EU-Staaten effizient und umweltgerechter ihre Stromversorgungen miteinander zu einem Markt verbinden können. Sicher, die Umsetzung ist schwierig, aber die Möglichkeiten alleine sehr berichtenswert, finde ich.

# Kraft-Wärme-Kopplung: Diese soll ausgebaut werden, wieder einmal. Viele Erfahrungen hat dazu die Stadt Berlin, über deren Stadtwerke man an gute Erfahrungswerte kommt.

# Personal: In der WELT geht die Umweltministerin zu den Beschlüssen auf Distanz. Wieviel Macht hat sie noch real in der Energiepolitik? Und welche Bilanz lässt sich nach dem neuen Ressortzuschnitt ziehen für die deutsche Klimapolitik? Dazu würde ich jetzt eine Analyse machen.

# Atomsubventionen in Großbritannien: London startet eine neue Welle mit milliardenschweren Atomsubventionen, gegen die Klagen eingereicht werden, da sie womöglich der Wettbewerbsfreiheit entgegenstehen, die im Binnenmarkt gilt, d.h. konkret die Erneuerbaren-Anbieter benachteiligen würden. Wie sieh es in anderen Ländern, etwa Frankreich, mit Atomsubventionen aus? Ein Ländervergleich, gerne auch datenjournalistisch, wäre hier spannend. Zahlen müsste es bei Eurostat geben, hier würde ich zumindest anfangen zu suchen.

 – Die Debatte um Erneuerbare Energien wird insgesamt stark mit der Kostenbrille betrachtet, anderes Aspekte gehen unter: Es wird etwa nicht über die eingesparten Kosten gesprochen, die „Umweltkosten“ oder externalisierten Kosten: Geld, dass der Staat in Zukunft ausgeben müsste, um die Folgen eines ungebremsten Klimawandels zu bezahlen. Das heißt zum Beispiel, Schäden von Stürmen, Hochwassern oder Trockenheit zu begleichen. Die Erneuerbaren Energien bremsen, je schneller sie wachsen, den CO2-Ausstoß und damit den Klimawandel. Folglich sind dann die Umwelt- und Klimakosten nicht so hoch wie bei einer Energieversorgung, die nicht klimafreundlich ist. Und nur auf fossile Quellen wie Kohle und Öl setzt. Hierzu gibt es eine Fülle von Studien, die aber in Standardartikeln oft nicht genannt werden – warum? Wir reden doch soviel über Kontext, den Texte brauchen und Recherche, die wichtig ist…

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