Zwei Containerwagen stehen auf der großen Wiese. In der Nähe eine kleine Feuerstelle, drum herum im Kreis sind kleine Bänke aufgestellt. Und ein großer Platz zum Toben, Rennen und Spielen. Das ist der Groß-Umstädter Waldkindergarten, den derzeit 20 Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen. Sie bringen sich das Früstück von zu Hause mit, essen bei Regen in den Containern. Ansonsten ist die Gruppe draußen, wenn immer es geht.

Im April 1999 ging es los , erzählt Kindergartenleiterin Anna. „Der ehemalige Fachbereichsleiter hatte mit interessierten Eltern damals diese Initiative gestartet. Seine beiden Nichten haben bei uns im Waldkindergarten angefangen.“

Sie selbst hat vorher in einer städtischen Einrichtung in Dietzenbach gearbeitet. Und beobachtete dort,  dass Kinder sich in der Natur „viel positiver und sozialer entwickelten als in der Einrichtung“. Weniger Lärm und Stress, das seien wichtige Faktoren. Und es gebe draußen weniger Spannungen unter den Kindern, weil sie sich mehr bewegen und richtig auspowern könnten“, sagt die gelernte Erzieherin. „Körperliche und geistige Herausforderungen finden draußen mehr und vielfältiger statt.“ Naturerfahrungen aus erster Hand seien prägend, sagt Annas. Körperliche Grenzen und auch Stärken würden sofort erfahren.

Nichts vermissen

Auch das Unvorhergesehene, das in der Natur immer wieder auftritt, etwa ein Wetterwechsel, hebt Anna hervor. Alle Kinder, die aus den verschiedensten Familien kommen, besuchen den Waldkindergarten gerne, sagt sie. Und weil die Kleinen auch keinen anderen Kindergarten kennen „vermissen wir nichts“, sagt ein kleiner Junge mit blonden Locken, die ihm über die Stirn fast an der Nase kitzeln.

Laut den Rückmeldungen aus den Schulen sind die ehemaligen „Waldkinder“ in bestimmten Schulfächern wie Sachkunde und Naturkunde auffällig gut und gewandt, berichtet Anna. Und auch beim Sport, schiebt die Leiterin des Waldkindergartens nach, die früher selbst viel Zeit draußen verbrachte und sich in der Nartur geborgen fühlt. 

Tägliche Arbeit an den Beeten

Mit ihren Kolleginnen versucht sie, den Kindern die Tierearten des Waldes näher zu bringen. Auch die Pflanzen sind Thema. Manche Kinder kennen jede Blume, die in ihrem Garten zu Hause wächst, erzählt Anna. Die Erzieherinnen haben in Beeten auf dem Gelände kürzlich Gemüse und Erdbeeren mit der Gruppe angepflanzt – täglich kümmern sich die Kleinen um die gleiche Zeit jetzt um ihr Saatgut und die Beete“ und lernen somit „Verantwortung für die kleinen Dinge kennen“, wie Anna sagt.

Im Sommer unternehmen die „Waldkinder“, wie sie liebevoll von Anna und ihrem Team genannt werden, kleinere Unternehmungen. Manchmal geht es auf den Marktplatz von Groß-Umstadt, manchmal auch weiter weg, nach Darmstadt ins Vivarium oder in den Frankfurter Zoo.

Immer noch Aufklärungsbedarf

Obwohl es den Waldkindergarten schon lange gibt und in Südhessen viele Einrichtungen dazugekommen sind, gibt es noch Aufklärungsbedarf. „Viele wissen immer noch nicht, dass es Waldkindergärten gibt“, sagt Anna. Momentan hängen deshalb in vielen Kindergärten in Dieburg Zettel aus, um das allgemeine Interesse der Eltern an Waldkindergärten zu ermitteln.

Anna wünscht sich, dass mehr Menschen von dieser Art der Betreuung erfahren. Sie weiß, dass viele staatliche Einrichtungen mittlerweile einmal die Woche einen Waldtag oder Naturtag eingeführt haben. Das sei ein guter Start, um Kindern Natur näher zu bringen. Aber dafür bleibt der Waldkindergarten dennoch ihr Favorit. Sicher sei hier auch mehr Vorbereitung nötig.

Denn wo viele „normale“ Kindergärten bei Regen die Kinder zurück ins Haus  holen, bleiben die „Waldkinder“ draußen in Regenjacke, Regenhose und Gummistiefeln. Selbstverständlich gehen auch sie Waldkinder bei strömendem Regen und Gewitter in das Containerhäuschen und wärmen sich dort auf, um sich nicht zu erkälten. Wobei die Waldkinder ein gut gestärktes Immunsystem haben, wie Anna einwendet. Sie seien seltener krank als andere. Dem Wald sei dank. 

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