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Umstritten und doch schon immer da

Der Wolf war das am weitesten verbreitete Raubtier auf der Nordhalbkugel. Seine hohe Anpassungsfähigkeit ermöglichte ihm das Überleben in den kalten Regionen Alaskas bis hin in die tropischen Gebieten Indiens. Trotzdem verschwand er fast vollständig aus Europa. Schon im 9. Jahrhundert wurde der Wolf unter Karl dem Großen bejagt. Nicht nur die stetig wachsende Landwirtschaft und Viehhaltung, sondern auch die Angst der Menschen vorm großen bösen Wolf sorgte dafür, dass er bedingungslos verfolgt wurde. Und so verschwand nach und nach der Wolf aus einigen Teilen Europas. Um 1850 galt Canis lupus (lat. Wolf) in Deutschland als ausgerottet.

Rückkehr nach Deutschland

Über 100 Jahre später wurde der Wolf in Deutschland unter Naturschutz gestellt. Damit war der Weg für seine Rückkehr zumindest formell geebnet. Schon Ende der 1990er Jahre wurden dann in Sachsen wieder freilebende Wölfe beobachtet, wenige Jahre später dann auch ihr Nachwuchs. Heute leben in Deutschland um die 60 Rudel und 13 Wolfspaare.

Verbreitung der Wölfe in Deutschland © NABU

Doch nicht nur der Reprduktion wegen kehrt der Wolf zurück, auch seine Anpassungsfähigkeit spielt eine große Rolle: Der Wolf ist in der Lage, sich auch „in unserer Kulturlandschaft sehr rasch auszubreiten und an die unterschiedlichsten Lebensräume anzupassen“, sagt Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz.

Solange für den Wolf genügend Beutetiere und Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind, kann er nahezu überall leben. Mit Hilfe des richtigen Herdenschutzes und der richtigen Abfallentsorgung kann verhindert werden, dass sich der Wolf seine Beute auf den Weiden der hiesigen Schäfer sucht und in direkter Nähe zum Menschen gebietstreu wird: Mit einem Elektrozaun und einem sogenannten Herdenschutzhund sind Schafe etwa gut vor dem Wolf geschützt. Der Abfall von Campingplätzen und anderen Orten in Waldnähe sollte zudem nicht am oder im Wald entsorgt werden, betonen die Behörden. Wird er fachgerecht auf eine Mülldeponie gebracht, gibt es für den Wolf keinen Grund, sich in der Nähe der Plätz aufzuhalten.

Große Bedeutung für das Ökosystem

Der Wolf hat eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald. Vorzugsweise ernährt er sich von Rehen, Hirschen, Wildschweinen oder Elchen. Da auch schwache und kranke Tiere zur Beute des Raubtiers gehören, hilft er dabei, die natürlichen Bestände zu regulieren und gesund zu halten.

Ökologische Nahrungskaskade am stark vereinfachten Beispiel Wolf-Wild-Pflanzen ©CHWOLF
Ökologische Nahrungskaskade am stark vereinfachten Beispiel Wolf-Wild-Pflanzen © CHWOLF

Die Rückkehr des Beutegreifers ist jedoch nicht nur deshalb von Vorteil für den Wald: Der Wolf frisst sein erbeutetes Tier nicht auf einmal, wodurch er eine wichtige Nahrungsquelle für viele Aasfresser schafft. Diese kleinen Organismen stellen wiederum eine weitere Nahrungsgrundlage dar. Auf diese Weise sorgt der Wolf für ein breiteres Nahrungsnetz – und somit für mehr Artenvielfalt im Ökosystem Wald.

Der Wolf wirkt nicht nur auf die Fauna ein, auch der Wald selbst profitiert von der Rückkehr der Märchenfigur. Durch das Jagdverhalten der Wölfe halten sich Rehe und Hirsche weniger oft an der gleichen Stelle auf; sie wandern öfter umher. Der Vorteil dabei: Die Tiere fressen somit nicht immer an der gleichen Stelle des Waldes die jungen Triebe der Bäume und Büsche ab. Der Wald erholt sich schneller und auch der Wildschaden an der Vegetation wird verringert. Er fungiert also als eine Art Waldpolizei. Die Arbeit eines Jägers ersetzt er dabei aber nicht, da die Überpopulation an Wildschweinen und Rehen nicht allein vom Wolf korrigiert werden kann.

Gefahr für Waldbesucher?

Für Spaziergänger stellt der Wolf keine Gefahr dar, denn ein gesundes Tier ist scheu und zieht sich zurück, meist noch bevor der Mensch es überhaupt entdeckt hat. Falls es doch zu einer Begegnung mit einem Wolf kommt, gilt es Ruhe zu bewahren und sich entweder langsam zurückzuziehen oder das Tier mit lauten Rufen und Gesten zu verscheuchen. Ähnlich wie bei einer Begegnung mit einem Wildschwein – von dem übrigens mehr Gefahr ausgeht als von einem Wolf, so NABU-Naturschutzreferent Olaf Strub gegenüber der Rheinischen Post.

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