Ich starre weiter auf den von Stamm bis Spitze eingeschneiten Baum, dessen dunkelgrüne Farbe nur noch schwer durch die weiße Schneedecke zu erkennen ist. Ich mag Nadelbäume. In den anderen Jahreszeiten schenkt ihnen niemand Beachtung, da sie keine blühenden Blätter besitzen, doch im Winter schlägt ihre große Stunde.

Während fast alle anderen Bäume kahl sind und eine gewisse Tristesse ausstrahlen, bleiben sie unverändert wie ein Fels in der Brandung. Ich gehe in den Garten und berühre den Schnee. Trotz dessen, dass er auf einem Kissen voller Nadeln liegt, fühlt er sich ganz zart und weich an. Ich beuge mich näher an den Baum.  Meine Nase nimmt den süßholzigen Geruch des Harzes auf und ich atme tief ein. Durch den glatten Schnee-Untergrund komme ich ins Rutschen und versuche mich am Baum festzuhalten. Angst, dass die circa eine Tonne schwere Tanne aufgrund meiner 70 Kilo Körpergewichts umfällt, brauch ich nicht zu haben. Für mein ruckartiges Festhalten bekomme ich allerdings die Quittung in Form einer großen, kalten Schneemasse, die vom Baum herunter direkt in mein Gesicht fällt.  Fasziniert über meine eigene Tollpatschigkeit schüttele ich den Schnee von mir ab und will meine Hand von der Tanne lösen. Leider gerate ich dabei gegen einen abstehenden Ast, dessen spitze Nadeln mir einen kleinen Stich in den Handrücken versetzen. So ein Mist aber auch!

Kopfschüttelnd wende ich mich vom Baum ab und gehe zurück in den Hauseingang. Doch bevor ich die Haustür schließe, schaue ich erneut auf den Nadelbaum und denke mir „Schön, dass du dich auch im Winter in vollster Pracht zeigst, aber blühende Blätter sind mir doch irgendwie lieber“.

Ein Beitrag von Marc Ebling

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