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Die Waldrebe

Illustration: Marianne Kriegbaum

Aus ein paar Metern lässt sich die Blüte von ihrem Mutterstrauch fallen und folgt so der langen Kaskade ihrer Geschwister. Die kantige Verästelung, die sie noch hält, teilt sich und teilt sich wieder, ihre Arme werden dünner. Alles an diesem Strauch ist weich, selbst das Holz. Sie ist fragil, will ich annehmen. Doch sie ist wehrhaft bei dem Versuch, sie von ihren Wurzeln zu entreißen. Sie bleibt. Das, was der Winter von der Waldrebe übrig lässt, ist karg und geruchlos. Der Jahreszeitenwechsel nimmt ihr den prachtvollen Glanz der Sommertage und badet ihr Gerüst in einem braunen Schwarz. Nur die Früchte dieser Blüte dürfen bestehen. Die tropfenförmigen Samen tummeln sich zusammen, als müssten sie sich gegenseitig mit ihrem dünnen Fell an diesen kalten Tagen warmhalten. Jeder kastanienbraune Samen hat genau ein zartes, kräuseliges Haar, das feinen Schmetterlingsfühlern gleicht. Einst weiß, schmücken sich die Fühler nun mit einer olivgrünen Farbe der Witterung. Bei Berührung ist die Blüte unnachgiebig, genau wie ihr Mutterstrauch es ist. Beständig hält sie ihre feinen Fühler in den Wind. Sie wartet auf den richtigen Moment, denn noch soll sie nicht fliegen, ihre wertvolle Saat. Erst die Frühjahrsbrise wird sie hinfort tragen können. Und erst dann lässt sie los und löst sich auf wie eine Pusteblume.

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