2019 sah die Zukunft dunkel aus. Wir erinnern uns an von der Modernisierung abgehängte Dörfer, kaum genutzten 5G Mobilfunk, dreckige Verbrennungsmotoren und übergroße SUVs. Dazu eine Bundesregierung, die den Ernst der Lage nicht erkannte, sich lieber um Personaldebatten kümmerte und von der Autolobby einlullen ließ. Die Menschen, die sich der Bedrohung durch den Klimawandel bewusst waren, lebten in Angst. Die anderen, die nichts vom Klimawandel wissen wollten, lebten in Trotz und Wut. Ein Leben ohne eigenes Auto? Niemals!

Jetzt ist alles anders.

Machen wir einen Ausflug in das idyllische Hembach, einen der fünf Ortsteile der Gemeinde Brombachtal im Odenwald. Dort leben knapp 170 Menschen. Ein Geschäft oder einen Supermarkt, geschweige denn einen Bäcker, gibt es hier nicht, und der nächste Bahnhof ist zehn Autominuten entfernt.

Früher war es nicht möglich, hier zu wohnen, ohne ein Auto zu besitzen, damals natürlich noch mit Verbrennungsmotor. Heute regeln die Bewohner das anders. Einen Zug gibt es hier immer noch nicht. Öffentliche Verkehrsmittel konzentrieren sich auf die Städte. Dort fahren sie alle autonom mit Ökostrom und sind kostenlos für jeden – Autos gibt es dort überhaupt keine mehr. Für den extrem ländlichen Raum war das zu unrentabel und teuer, darum entschied man sich für eine andere Lösung.

Statt eines eigenen Autos, hat hier jetzt jeder ein Display neben der Haustür. Auf diesem Display kann man eine gewünschte Abfahrtszeit angeben. Bis spätestens 15 Minuten vor der Abfahrt, kann man ein Taxi anfragen, dann ist es garantiert da. Zu besagter Uhrzeit trifft dann direkt vor der Haustür ein autonomes Taxi ein, das mit einer Brennstoffzelle angetrieben wird. Falls der Wasserstofftank leer sein sollte, kann man das Taxi kurz an der hauseigenen Wasserstoff-Tankstelle auftanken, dann kann es los gehen. Das Tanken beruht auf einem Solidaritätsprinzip: Die Fahrt selbst ist kostenlos, dafür tankt jeder das Taxi auf, wenn es fast leer bei ihm ankommen sollte. So kommt jeder mal dran. Mittlerweile hat es sich sogar etabliert, dass die Dorfbewohner sich untereinander absprechen, so fahren heute mehr Menschen zusammen, z.B. zur Arbeit. Das verbraucht noch weniger Ressourcen und steigert gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt im Dorf.

Die Anzahl der Mitfahrer und deren Startpunkte erkennen die autonomen Taxen, da sie und auch die Displays mit 5G untereinander vernetzt sind. Alle Leute werden abgeholt, die zur gleichen Uhrzeit fahren wollen. Dank des besseren Zusammenhalts werden oft Kompromisse gemacht, was das Fahrtziel anbelangt. Die autonomen Taxen verfügen über Fahrradträger. Es gibt so viele Fahrradträger, wie Menschen im Fahrzeug Platz haben. Am Zielpunkt kann man gegebenenfalls mit dem Rad weiterfahren. Diese autonomen Taxen gibt es zusätzlich mit unterschiedlich vielen Sitzplätzen. So werden Zweisitzer geschickt, wenn nur zwei Personen mitfahren möchten, Drei-, Vier- oder Fünfsitzer, wenn es mehr Personen sind. Auch Einsitzer gibt es. Leeren Stauraum herumzufahren verbraucht schließlich unnötig Treibstoff. Alle Taxen verfügen über einen kleinen Kofferraum, damit eventuelle Sachtransporte möglich sind.

Der Umbruch

Als Voraussetzung für die Einführung der autonomen Taxen musste jeder sein Auto abgeben. Anfangs war das Gezeter groß. Als klar wurde, wie günstig Fahrten in Zukunft sein würden, ließ sich die Bevölkerung deutschlandweit erstaunlich schnell durch die Regierung umstimmen. Die Wasserstoff-Tankstellen, die an den Häusern angebracht wurden, waren im Tauschgeschäft gegen die Autos kostenlos. Nur der Wasserstoff selbst musste von den Menschen gezahlt werden. Dieser ist mittlerweile sehr viel günstiger als ehemals Benzin, da die Wasserstofftechnologie, durch die hohe Nachfrage, im gleichen Zuge mit den autonomen Taxen endlich massentauglich wurde.

Für jeden, der sich nicht mehr richtig erinnert: Natürlich wurden die alten Autos nicht einfach entsorgt. Deren Material wurde, soweit möglich, für den Bau der Autonomen aufbereitet und wiederverwendet. Alle dafür nötigen Techniken wurden über Jahre genauestens entwickelt, bis sie ausgereift waren. Der Umbruch verlief so: Ein Jahr zuvor veranlasste die Regierung den Umbau sämtlicher Autofabriken, für den Bau der Autonomen. Neue Verbrenner gab es einfach nicht mehr im Angebot. In dieser Zeit lernten die Menschen sich auszuhelfen, falls ein Wagen kaputt ging – dieser konnte schließlich nicht mehr repariert werden, denn auch die Werkstätten wurden umgerüstet. Nach dem Abzug der Autos musste alles schnell gehen. Da deren Material für den Neubau gebraucht wurde, gab es einen Monat Überbrückungszeit, in dem es keinerlei Autos gab. Bis schließlich das erste autonome Taxi vom Band rollte und die Verkehrswende Realität wurde.

Und was geschah in der Zwischenzeit? Die Regierung ordnete einen Monat Urlaub an und jeder genoss diese Zeit, frei von Autos und Arbeit.

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