355 Vorschläge reichten Mitarbeiter der Hamm-Kliniken innerhalb von einem Monat ein. Der Ideen-Wettbewerb zu den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz stand unter dem Motto „Hamm-Kliniken goes green“. Für jede umsetzbare Idee will die Klinikleitung einen Baum pflanzen. Laut Tina Possel-Dölken von der Geschäftsführung sind 211 Ideen wahrscheinlich umsetzbar. „Die Geschäftsführer und ich haben alle Ideen durchgelesen und jetzt werden wir sie nach Themenbereichen aufteilen. Daraus werden sich dann einzelne Projektgruppen bilden“, erklärt die Mitarbeiterin aus der Unternehmensleitung.

E-Bike-Verlosung als Anreiz

Unter anderem sollen die Kliniken auf Elektroautos umsteigen, Bewegungsmelder für Lampen einführen, aber auch mehr auf Plastik verzichten. Dabei zeigt neben den finanziellen Gründen auch die Hygiene – gerade in einem Krankenhaus – den Ideen Grenzen auf. Die Hamm-Kliniken haben vier Standorte und helfen Krebserkrankten bei der Rehabilitation – der Fachbegriff hierfür heißt Onkologie. Die Zentrale und Leitung sitzen im hessischen Bad Soden-Salmünster zwischen Hanau und Fulda, wo im Jahr 1973 auch die erste Klinik öffnete. Die weiteren Kliniken befinden sich in Bad Kreuznach, St. Peter-Ording und Badenweiler.

Mitarbeiter haben den Ideen-Wettbewerb vorgeschlagen. Um so viele Beteiligte wie möglich zu motivieren, schrieb die Leitung sogar einen Hauptgewinn aus. „Wir haben uns am Anfang vorgestellt, die beste Idee auszuzeichnen. Aber bei 355 eingereichten Ideen ist das sehr schwierig. Es gibt kleine sehr gute Ideen, aber auch größere, die auf jeden Fall prüfenswert sind. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, in jeder Klinik ein E-Bike zu verlosen“, so Possel-Dölken.

Sorgen um Datenschutz bei Gehaltsabrechnungen

In der Strategie des Unternehmens ist die Nachhaltigkeit schon länger aufgenommen: Die Mahlzeiten für Angestellte und Klienten werden jeweils vor Ort zubereitet, wodurch auf einen externen Caterer verzichtet wird. Jeden Tag stehen ein vegetarisches Menü, zwei Gerichte mit Fleisch, sowie ein Salatbuffet zur Auswahl. Mit modernen Heizkraftanlagen und Energiesparlampen verschwenden die Kliniken nicht zu viele Ressourcen auf einmal und versenden Gehaltsabrechnungen auch über ein elektronisches Portal. So spart das Unternehmen mit 550 Angestellten viel Papier.

Mitarbeiter nahmen das Angebot zum Großteil an. Possel-Dölken verrät, dass es auch Bedenken gab: „Wir sind aber auch auf Widerstände gestoßen und nicht alle Mitarbeiter nutzen das Angebot auch. Zum Beispiel haben sich Mitarbeiter über ihren Datenschutz gesorgt.“ Auf ihr persönliches Konto in dem digitalen Portal haben nur die jeweiligen Mitarbeiter Zugriff. Außerdem ersparen die elektronischen Gehaltsabrechnungen viel Arbeit.

Außerdem veröffentlichte die Hamm-Gruppe 2019 eine kostenlose App. Das digitale Angebot bereitet Patienten auf ihren Aufenthalt während der Reha vor. Unter anderem gibt es eine von der Klinik empfohlene Packliste, auf der Betroffene alle Utensilien wiederfinden, die sie während des Aufenthalts gebrauchen könnten. Zudem bietet die App Bewegungsübungen per Videoformat an, die Klienten auch im Nachhinein zu Hause ausführen können.

Marktführer in der Onkologie

Cindy Grant (links) und Tina Possel-Dölken unterstützen die nachhaltige Entwicklung der Hamm-Kliniken sehr.

Cindy Grant hat die App mitentwickelt und ist für die Unternehmenskommunikation und das Marketing zuständig. Sie berichtet, dass die Kliniken mittlerweile auch umweltfreundliche Reinigungsmittel verwenden, die laut eigenen Angaben biologisch abbaubar sind. „Der Reinigungsstoff ist nicht gesundheitsschädlich und auch die Verpackung besteht aus recycelbaren Produkten. Es sind biologisch abbaubare Mittel, die aus der Umwelt kommen“, versichert Grant. Doch zunächst musste sich das Reinigungsmittel einer Testphase unterziehen, denn die Hygiene ist in einer Klinik sehr wichtig. Seitdem das Produkt den Test überstanden hat, ist es Bestandteil der nachhaltigen Strategie, die Tina Possel-Dölken für das Feld der Onkologie als vorbildlich ansieht.

Wie es aber generell bei anderen Kliniken aussieht, sei schwer zu sagen. „Es gibt bestimmt Kliniken, die im Bereich der Digitalisierung einen Schritt weiter sind, aber zum Thema Nachhaltigkeit ist mir nichts bekannt“, so Grant. Aber es gehe den Hamm-Kliniken nicht darum, zu belehren. Viel mehr müsse jeder Einzelne schauen, wo er in seinem Alltag nachhaltiger agieren kann: „Jeder soll versuchen, das was er kann, in seinem Umfeld umzusetzen. Dann ist schon viel geholfen.“

„Man kann in allen Bereichen etwas verändern“

211 „umsetzbare“ Ideen gilt es jetzt zu sortieren und zu prüfen, ob und inwiefern sie dem Unternehmen nützen. Jedenfalls sind die Verantwortlichen mit dem Projekt „Hamm-Kliniken goes green“ mehr als zufrieden. Es zeige, dass sich sehr viele Mitarbeiter durchaus mit der Nachhaltigkeit beschäftigen und versuchen, Lösungen zu finden. „Der Ideenwettbewerb hat gezeigt, dass es keine Grenzen gibt und man in allen Bereichen etwas verändern kann. Sei es durch Digitalisierung, durch Vermeidung von Plastikverpackungen oder durch Nutzung von E-Mobilität“, resümiert Possel-Dölken. „Das sind alles Themen, die man im Gedankengut aller Beteiligten, inklusive der Unternehmensleitung, implementieren muss, damit auch alle daran denken.“

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