Auf historischen Pfaden: Eine Wanderung durch den Spessart

Meine Erwartungen sind groß, als ich mich aufmache, um den Kurfürstenweg abzuwandern. Durch verwachsene Graspfade, an denen hohe Sträucher meine Nase kitzeln, führt mein Weg zum ersten Halt der Route: der Grabstätte von Cancrin. Ungefähr einen Kilometer vom Startpunkt entfernt beschreibt eine Infotafel, was ich vor mir sehe. Eine regionale Erfolgsgeschichte, eine Familie, die sich durch die Bergarbeit „den gesellschaftlichen Aufstieg erarbeitete“. Ihnen gehörte das Gut, von dem aus ich meine Reise begann. Die Grabstätte an sich ist eine halbkreisförmige Mauer, die etwas erhöht und mit einer zugewachsenen Steintreppe versehen am Ende einer Lichtung steht.
Wer wacht am Rhein?

Die Sonne hängt bereits tief über der Landschaft, als ich die Treppen des Niederwalddenkmals erklimme. Obwohl sich gerade die letzten Sonnenstrahlen des Tages in den Baumkronen verfangen, haftet die Hitze der vergangenen Stunden noch an den steinernen Oberflächen. Fast alle der dreizehn im Halbkreis angeordneten Bänke sind besetzt. Nur die Bank ganz vorne in der Mitte, die mit der besten Aussicht, ist frei.
Flussbrutalismus

Ein klares Rauschen liegt in der Luft. Hier, ein kleines Stückchen unterhalb der Mühltalstraße, die Darmstadt-Eberstadt mit Nieder-Ramstadt verbindet, befinden sich die Ausläufe der heimischen Streuobstwiesen. Apfelbäume, satte Wiesen, zwei Pferde – daneben: die Modau. An dieser Stelle hat sie Gefälle, wird von Eberstädter*innen liebevoll als kleiner Wasserfall bezeichnet. Steil ist er nicht, als Wahrzeichen und beliebter Ort zum Verweilen dafür umso geschätzter. Inmitten dieser Idylle beginnt hier, ein paar Meter flussabwärts, die Modaupromenade. Die Strecke zieht sich einmal quer durch das gesamte Stadtgebiet, ungefähr drei Kilometer lang.
Doomstrolling anstatt Doomscrolling

Nach vielen Jahren hinterlasse ich wieder Fußabdrücke im lehmigen Boden des Scheerwaldes. Meine letzten Spuren hier liegen einige Schuhgrößen zurück. Ein süßlicher Humusduft steigt in meine Nase und trägt mich zurück in meine Kindheit, als ich noch häufiger im Wald war. Mein Alltag ist geprägt von Stress, vor dem ich mich oft ins Bildschirmlicht flüchte. An diesem Juniwochenende will ich den Kreislauf durchbrechen und herausfinden, ob es mir im Wald besser geht.
Die Gersprenz – zurück zum Ursprung

Die Flussreportage ist eine Reise, auf der ich die Gersprenz als Fließgewässer porträtiere und an verschiedenen Stationen Halt mache.
KLEINFLUSSLIEBE (3) – der Weckruf

Das ist die Kolumne zu Natur, Zeit und Medien von Torsten Schäfer, Projektleiter bei Grüner-Journalismus, Umweltjournalist und Professor für Journalismus und Textproduktion an der Hochschule Darmstadt. In FOLGE 3 der KEINFLUSSLIEBE geht es um einen ganz bestimmten Ton im Wald und die Gedanken, die er auslöst.