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Neue Weiterbildung: Wissenschaft für Forschungsfremde

Lehrgänge für Forschungsfremde: Seit 2012 können sich Journalisten am Kolleg zu Umweltthemen weiterbilden (Screenshot: tauchgaenge-wissenschaft.de)
Lehrgänge für Forschungsfremde: Seit 2012 können sich Journalisten am Kolleg zu Umweltthemen weiterbilden (Screenshot: tauchgaenge-wissenschaft.de)

Von Annika Griese

Wie kann der Klimawandel beeinflusst werden und wie hängt er mit unserer Lebensweise zusammen? Welche Technologien der Zukunft können den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß mindern? Und wie kann energiesparend gebaut werden?

Damit Journalisten bei ihrer täglichen Arbeit mit diesen und anderen Fragen umgehen können, bieten die Robert-Bosch-Stiftung und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina das Kolleg „Tauchgänge in die Wissenschaft“ an. 15 Teilnehmer können sich hier seit 2012 zu wichtigen Umweltthemen weiterbilden. Stiftung und Akademie richten die Seminarreihe speziell an Journalisten, die „nicht im Wissenschaftsressort tätig sind, sich aber zu wissenschaftlichen Themen von besonderer gesellschaftlicher Relevanz weiterbilden wollen“.

Warum die Robert-Bosch-Stiftung und die Leopoldina für das Kolleg zusammenarbeiten, erklärt Patrick Klügel, Projektleiter bei der Robert-Bosch-Stiftung: „Für das Journalistenkolleg wollen wir die besten Referenten aus der Wissenschaft haben. Dabei kann uns die Leopoldina beraten und gezielt auf das Netzwerk ihrer Mitglieder zurückgreifen.“ Doch nicht Stiftung und Akademie profitieren von der Zusammenarbeit, so Klügel: „Es entsteht vor allem ein Mehrwert für die Redaktionen: Wir wollen den Journalisten Netzwerke mitgeben, damit sie gezielt bei wissenschaftlichen Themen relevante Experten befragen können. In den Medien tauchen oft dieselben Forscher auf, die meist medientauglich sind – aber nicht immer unbedingt auch die besten Experten im jeweiligen Forschungsgebiet.“

Pro Teilnehmer ein Stipendium

In den Seminaren sollen Journalisten zum Beispiel Arbeitsweisen von Forschungsinstituten kennenlernen, ethische Fragen aus der Welt der Wissenschaft diskutieren und themenspezifische Recherchewerkzeuge testen. Zudem erhält jeder Teilnehmer ein Stipendium über 3000 Euro, um sich auch über die vier Seminare hinaus weiterbilden zu können. „Oft fehlt in Redaktionen das Geld, um intensive Recherchen zu betreiben oder vertiefende Interviews zu führen “, erklärt Klügel.

Im vergangenen Jahr startete das Kolleg mit der Reihe Patient der Zukunft, in der Themen wie die Alternsforschung eine wichtige Rolle spielten. 2013 hieß die Seminarreihe Antworten auf den Klimawandel. Forschung für eine nachhaltige Energieversorgung; bis 2015 sind vier Veranstaltungen zu diesen Umweltthemen geplant. Dabei sollen die Journalisten „einen Durchmarsch durch die Themen Klimawandel, Energie und neue Energien sowie nachhaltige Infrastruktur machen“, sagt Klügel.

Verschiedenste Forschungsstellen laden zu den Seminaren ein, so etwa das Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung in Bremerhaven, das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung oder das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle.

Beirat entscheidet über Themenagenda und Teilnehmer

Welche Themen eine Rolle spielen sollen und wer am Kolleg teilnehmen darf, entscheidet ein Beirat, der aus Journalisten und Wissenschaftlern besteht. Dazu gehört neben einer Wissenschaftsjournalistin auch eine Redakteurin der Frauenzeitschrift Brigitte. „Uns ist es wichtig, dass im Kolleg sowie im Beirat Journalisten vertreten sind, die aus Medien mit einer hohen Reichweite kommen, aber vielleicht kein Wissenschaftsressort haben“, betont Patrick Klügel. „Oft werden eben wissenschaftsfremde Ressorts mit wissenschaftlichen Aspekten konfrontiert, so auch „Brigitte“ die sich häufiger mit Gesundheitsthemen auseinandersetzt“. Bei dem letzten Kolleg habe zum Beispiel eine Journalistin der Freizeitwoche teilgenommen, ergänzt er. „Wir sind sicher, dass die Zeitschrift durch die Weiterbildung zu verschiedenen wissenschaftlichen Themen profitiert hat“.

In den neuen Seminaren werden zuerst Klima-Grundlagen vermittelt: Welche Rolle spielen die Weltmeere im Klimawandel? Woher kommen Klimadaten? Welche Rolle spielt konkret Kohlenstoffdioxid? Und wie kommen Wissenschaftler zu ihren Klimamodellen? Auch Windenergie und speziell Windparks stehen auf dem Lehrplan. Doch nicht nur Theorie soll vermittelt werden: „Wir überlegen uns vor der Gestaltung der Seminare immer, was es zum Anfassen gibt“, sagt Klügel. Beispiele dafür sind etwa Liveschaltungen zu Wissenschaftlern in der Antarktis oder zu einem Forschungsschiff. Zukunftstechnologien und Infrastruktur sind weitere Schwerpunkte mit Themen wie Speichertechnologien, Netzausbau und Versorgungssicherheit.

Das Thema ‚Stadt der Zukunft‘ wird als abschließendes Seminar eine große Rolle spielen. Durch das Bevölkerungswachstum wird in Städten etwa die Frage immer wichtiger, wie eine nachhaltige Architektur aussehen kann – und wie sich Städte generell auf den demografischen Wandel vorbereiten müssen.

Künftige Seminare und Bewerbungskriterien

Nach der Klimareihe sollen weitere Kollegs für fachfremde Journalisten angeboten werden. Das nächste Thema steht derzeit noch nicht fest. Wer sich künftig bewerben möchte, sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Journalist (fest angestellt oder frei arbeitend) für ein deutsches Medium mit großer Reichweite
  • nicht tätig im Wissenschaftsressort, aber Interesse an der Weiterbildung in wissenschaftlichen Gebieten
  • die Themensetzung in der eigenen Redaktion mitbestimmen, idealerweise in führender Position  (Chef vom Dienst, Planungsredakteur, stellvertretender Ressortleiter etc.)
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