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Kattendorfer Hofladen

© Margarita Ilieva
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Etwa 35 Kilometer nördlich von Hamburg ist der Kattendorfer Hof, auf dem 435 Hektar Land bewirtschaftet werden und Kuh- und Schweinehaltung betrieben wird. Gearbeitet wird am Hof in Kattendorf nach den Demeter-Richtlinien für Bio-Produkte. Auf dem Kattendorfer Hof befindet sich zudem die hofeigene Käserei, in der die Milch der 70 Milchkühe zu Käse, Quark, Joghurt und Butter verarbeitet wird. Dinkel, Kartoffeln und verschiedene Kohlsorten auf dem Feld und saisonales Gemüse in der Gärtnerei werden regelmäßig geerntet. Zweimal wöchentlich werden die vier Kattendorfer Hofläden in Hamburg beliefert und somit kurze Transportwege ermöglicht.

Nachhaltigkeit beim Kattendorfer Hofladen

Der Kattendorfer Hof arbeitet nach dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft, die das Ziel verfolgt, die Landwirtschaft zu fördern und die Produkte zu fairen Preisen abzugeben.

Als Mitglied der SoLaWi unterstützt man den Hof durch einen monatlichen Beitrag, der im Vorweg eingezogen wird. Anschließend könne die Ernteanteile im Hofladen abgeholt werden. Alle Hofprodukte sind auch im freien Verkauf erhältlich. Somit kann konkreter nach Anzahl der Kund*innen geplant werden und die Kund*innen können sich die bereits bezahlte Ware in Demeter-Qualität im Hofladen abholen.

© Margarita Ilieva
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Ein Ernteanteil enthält 3,5 Kilogramm Gemüse inklusive Kartoffeln und 7,5 Liter Milch, die in Käse, Joghurt, Quark, Butter oder Trinkmilch aufzuteilen ist. So entsprechen etwa 100 Gramm Käse einem Liter Milch. Zudem gibt es 700 Gramm Rind- und Schweinefleisch in Demeter-Haltung pro Woche. Auch ein vegetarischer Ernteanteil ist möglich. Je nach Bedarf legt die Kundschaft fest, ob es ein ganzer, halber oder mehrere Anteile sein sollen. Somit soll sich das Prinzip nicht sonderlich vom gewöhnlichen Einkauf unterscheiden: „Man bekommt keine fertige Kiste, sondern hat die Möglichkeit auszuwählen. Wenn man also ein Produkt nicht gerne konsumiert, muss es nicht zwingend mitgenommen werden“, so Lisa Hoffmann, die seit Jahren mit Leib und Seele beim Kattendorfer Hofladen in Eimsbüttel tätig ist.

Saisonalität beim Kattendorfer Hofladen

Ein Vorteil in der Jahresmitgliedschaft sieht Lisa zudem darin, dass man in dieser Zeit die gesamte saisonale Vielfalt, die es hier im Norden gibt, erleben kann: „Im Sommer gibt es ein viel breiteres Angebot und das ist eine sehr schöne Jahreszeit. Genauso aber auch im Winter zu sehen, was kann ich alles aus Sellerie und rote Beete zaubern und auch ein bisschen mutiger werden.“ So sollen die Käufer*innen die Rezepte je nach der natürlichen Verfügbarkeit der Produkte ausrichten und nicht umgekehrt, wie es aus dem konventionellen Einkauf üblich.

Auf die Frage, wie das Konzept einer Kooperation mit der Solidarischen Landwirtschaft bei Kund*innen ankommt, sagt Lisa, dass diese gerade in der Großstadt Hamburg besonders gewünscht ist: „Kundinnen und Kunden werden bei uns voll mit ins Boot genommen und wir merken, dass die Menschen dankbar sind, dass sie das mitbekommen ,Ah, so ist das also! Das gibt es jetzt gar nicht, das dachte ich aber immer‘. Das ist ein Lernprozess.“ Aktuell sind in den vier Läden in Hamburg ca. 600 Mitglieder der SoLaWi Kattendorf aktiv.

© Margarita Ilieva
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Wer Mitglied bei der SoLaWi werden möchte, kann sich in einem der Kattendorfer Hofläden an die Mitarbeiter wenden und vier Wochen lang das Konzept testen. Anschließend kann man sich eine Mitgliedschaft für 218 Euro pro Monat für einen Familienanteil (3-4 Personen) oder einen halben Anteil für 114 Euro pro Monat abschließen.

Um den Gesamtbedarf einer Person unabhängig von der Jahreszeit decken zu können, werden auch Waren dazu gekauft, etwa Gurken in Demeter-Qualität. Es wird darauf geachtet, dass Gemüse und Zukauf-Ware in Demeter-Qualität angeboten werden kann. Somit soll die Versorgung der Kund*innen mit vollwertigen Produkten unabhängig von der Jahreszeit möglich sein.

„Problematisch bei der Landwirtschaft ist, dass man viele Dinge nicht voraussehen kann,“ fährt Lisa fort. Sollte die Produktion wetterbedingt geringer ausfallen, wird die Entnahmemenge der Mitglieder begrenzt. Sollte jedoch das Gegenteil auftreten, erhöht sich der Ernteanteil entsprechend.

© Margarita Ilieva
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Gegen die Lebensmittelverschwendung geht der Kattendorfer Hofladen in einer Art „Kreislauf“ vor: Waren, die kurz vorm Verderben sind, werden zurück an den Hof gegeben und an die Tiere verfüttert. Bei größeren Mengen an Waren wird der Preis gesenkt, um den Einkauf für die Kund*innen attraktiver zu machen. Durch eine gezielte Planung wird jedoch nach Eigenangaben der Anteil übrig gebliebener Waren aufs Minimum gehalten. Eine Vielzahl an Waren, wie zum Beispiel Kartoffeln, Karotten oder Sellerie, ist zudem lagerfähig. Momentan werden Fleischprodukte vakuumiert, da dies den aktuellen Hygienestandards entspricht. Der Weg für mehr Plastikalternativen soll aber in Zukunft geöffnet werden.

Die Waren aus dem Kattendorf findet man neben den vier Hofläden in Eimsbüttel, Barmbek, Sternschanze und Kattendorf auch sonntags auf dem Bio-Wochenmarkt …und Regionales in Ottensen. Der Kattendorfer Hof kann ganzjährlich besucht werden und im Rahmen von verschiedenen Aktionen kann man sich vor Ort engagieren und die Ernte hautnah erleben.

Den Kattendorfer Hofladen gibt es drei Mal in Hamburg und einmal in Kattendorf.

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