Seite 6/7 Kühl und feucht muss das Winterquartier sein

Kühl und feucht muss das Winterquartier sein

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Ein Bunker ist das richtige Domizil für Fledermäuse wie den Großen Abendsegler, um den Winter sicher zu überstehen (Bild: Doreen Dormehl)

In Flughafennähe hat Fledermausexperte Helmut Ortwein einen Bunker für seine Schützlinge hergerichtet. Hier können Fledermäuse ihren Winterschlaf halten. Die fliegenden Säugetiere verbringen den Winter vor allem in Höhlen, Stollen oder eben Bunkern. Dort herrschen konstant kühle Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Beides benötigen Fledermäuse während ihres Winterschlafs, um nicht auszutrocknen.

Während des Kalten Krieges diente der Bunker bei Mörfelden-Walldorf als Munitionslager der Amerikaner. Er steht auf einem rund 100 Hektar großen Gelände, das die Fraport als Ausgleichsmaßnahme für den Ausbau des Frankfurter Flughafens renaturierte. Um den Bunker fledermaustauglich zu machen, waren ein paar Umbaumaßnahmen notwendig: Hohlblocksteine wurden eingesetzt, der Eingang zugemauert und ein Kanaldeckel zugeschraubt. Die Hohlbocksteine bieten den Fledermäusen optimale Aufhängmöglichkeiten. Über einen schmalen Spalt gelangen die Fledermäuse in den Bunker.

Auf einem Kontrollgang fand Helmut Ortwein heraus, dass Abendsegler in seinem Bunker überwintern. Abendsegler gehörten zu den größten heimischen Fledermausarten. In dichten Trauben eng aneinander gekuschelt, ruhen die Tiere hier im Winter. Sie wärmen sich gegenseitig, um die kalte Jahreszeit unbeschadet zu überstehen.

Beim Winterschlaf handelt es sich eher um einen lethargischen Zustand statt eines Schlafs. In dieser Starre registrieren die Tiere stets, was in ihrer Umgebung vor sich geht. Lebenswichtige Funktionen wie die Atemfrequenz, der Herzschlag sowie der Stoffwechsel sind auf ein Minimum reduziert, um Energie zu sparen. Über den Sommer setzen Fledermäuse einen großen Fettvorrat im Nackenbereich und im Bauchraum an. Von diesem Fett zehren sie den Winter über.

Gefährlich wird es für sie, wenn sie während des Winterschlafs gestört werden. Jede Störung lässt die Tiere aufwachen. Das verbraucht enorme Mengen ihres Körperfettes. In einer Stunde, die sie im Winter wach verbringen, verbrauchen sie so viel Energie wie sonst innerhalb einer ganzen Woche. Dadurch erhöht sich die Gefahr, dass sie den Frühling nicht erleben. Zum Ende des Winterschlafs – zwischen Mitte März und Anfang April – setzt bei Weibchen die Schwangerschaft ein. Die Paarungszeit der Fledermäuse ist im Spätsommer und Frühherbst. Während des Winterschlafs konserviert das Weibchen den Samen in einem Schleimpfropfen. Die gesteuerte Befruchtung erfolgt erst zum Ende des Winterschlafs.

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